Update: 01.04.2016

Zum Thema Bismarcktürme werden mir immer wieder Fragen gestellt. Neben speziellen Fragen zu einzelnen Türmen gibt es Fragen, die häufig gestellt werden. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine F.A.Q.-Seite (häufig gestellte Fragen) einzurichten, um diese Fragen gleich beantworten zu können.

Hier also die Fragen nebst Antworten:

1. Aus welchem Grund wurden Bismarcktürme erbaut?
Man errichtete neben zahlreichen anderen Denkmälern Bismarcktürme, um den Gründer des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, zu ehren. An Gedenktagen (Bismarcks Geburtstag usw.) sollten Feuer auf dem Turm brennen, um die Verdienste Bismarcks, des Schmiedes des Deutschen Reiches, durch Flammen auf möglichst vielen Bismarcktürmen sichtbar zu machen.

2. Wie viele Bismarcktürme wurden gebaut und wie viele sind davon erhalten?
Es wurden 240 Bismarcktürme und -säulen zwischen 1869 und 1934 errichtet (teilweise wurden bestehende Türme in Bismarckturm umbenannt). Von diesen sind im Jahr 2016 noch 173 erhalten, einige davon in stark sanierungsbedürftigem Zustand.

3. Sehen alle Bismarcktürme gleich aus?
Im Jahr 1899 wurde der von Wilhelm Kreis geschaffene Bismarckturm-Entwurf "Götterdämmerung" von der Deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Dieser Entwurf in Form einer wuchtigen Feuersäule sollte Vorbild für alle Bismarcktürme sein. Der Entwurf wurde bis 1911 insgesamt 47-mal umgesetzt. Aus verschiedenen Gründen wich man in vielen Orten vom Einheitsentwurf ab und beauftragte einen eigenen Architekten. So entstanden Bismarcktürme mit sehr unterschiedlichen architektonischen Formen (z.B. in Weimar, Aachen, Asch [außergewöhnlicher Entwurf von Wilhelm Kreis] und Köln [Rolandsäule]). Vor 1899 wurden auch schon Bismarcktürme (oft aus Holz) erbaut, jedoch nicht als Feuersäule.

4. Was unterscheidet Bismarcktürme von anderen Türmen?

  • Meist wurden die Türme vom Volk (überwiegend vom Bürgertum) durch Spendensammlungen finanziert und nicht vom Staat (Kaiser Wilhelm II. hatte Bismarck 1890 entlassen!).
  • Bismarcktürme sind kein Repräsentations-, sondern Identifikationsdenkmale. Bismarck wird aufgrund seiner Verdienste vom Volk geehrt.
  • meist exponierter Standort auf Bergen (weithin sichtbar)
  • ab 1899 meist mit Feuervorrichtung versehen, die zu bestimmten Tagen entzündet wurde

Einige dieser Charakteristika treffen mit Sicherheit auch auf andere Türme zu. Weiterhin gibt es auch Bismarcktürme, auf die einzelne Punkte (z.B. 3. oder 4. Unterpunkt) nicht zu treffen.

5. Wieso nennt man Bismarcktürme auch Säulen?
Die Deutsche Studentenschaft schrieb am 03.12.1898 den Wettbewerb zum Entwurf einer Bismarcksäule aus. Unter dem Architekturbegriff "Säule" stellt man sich die senkrechte, zylindrische (im Grundriss runde) Stütze eines Daches vor. Doch auch im Altertum wurde das Wort "Säule" nicht ausschließlich für diese Form verwendet (z.B. die "Igeler Säule" bei Trier als viereckiger Sandsteinbau). Der am 22.04.1899 von der deutschen Studentenschaft prämierte Entwurf "Götterdämmerung" weist an den vier Seiten Dreiviertelsäulen auf, die den Architrav stützen.

6. Sind alle Bismarcktürme Aussichtstürme?
Nicht alle Bismarcktürme bzw. -säulen wurden als Aussichtsturm konzipiert. Dies war einerseits eine Geld-, andererseits eine Geschmacksfrage. Durch den Einbau von Treppen und den Bau einer Aussichtsplattform o.Ä. waren die Kosten für den Turm grundsätzlich höher. Da die Türme meist an exponierter Stelle gebaut wurden, bot sich bei vielen Türmen die zusätzliche Aussichtsfunktion an. Von den 47 Bismarcktürmen nach dem Entwurf "Götterdämmerung" wurden nur 14 als reine Feuersäulen gebaut.

7. Aus welchem Material wurden Bismarcktürme gebaut?
Laut Vorgabe der Deutschen Studentenschaft sollten für den ehemaligen Reichskanzler Säulen aus ortsgebundenem, festem Stein gebaut werden. In den meisten Fällen wurde diese Vorgabe auch eingehalten. Viele Türme wurden aus dem Materialien Granit, Kalkstein und Sandstein gebaut, es entstanden aber auch Türme aus Tuffstein, Basalt, Grauwacke, Dolomit, Quarzit, Melaphyr, Porphyr, Beton, Eisen und Holz.

8. Wie reagierte Kaiser Wilhelm II. auf die Errichtung der Türme?
Kaiser Wilhelm II. versuchte, einen eigenen monarchisch-nationalen Kult zu inszenieren. Seinen Großvater Kaiser Wilhelm I. apostrophierte er als den "Großen" und förderte und finanzierte Kaiser-Wilhelm-Denkmäler (z.B. Deutsches Eck in Koblenz, Porta Westfalica) und -Türme, fast ausschließlich auf preußischem Gebiet. Gegen den einsetzenden Bismarck-Kult kam er dagegen nicht an.
Nachdem Kaiser Wilhelm II. Bismarck im Jahre 1890 entließ, beobachtete er mit Argwohn die einsetzende Bismarck-Verehrung (s. die Ausführungen von Lothar Machtan: "Bismarcks Tod und Deutschlands Tränen", Goldmann Verlag 1998, München). Am 25.09.1893, nach Bismarcks Empfang in Bad Kissingen, verfolgte er eifersüchtig die Popularität des ehemaligen Reichskanzlers. Doch der Kaiser schaffte es schließlich bis 1914, die nationale Einstellung der bismarckgetreuen und national eingestellten Bürger nach Bismarcks Tod für seine imperialistischen Ziele zu nutzen.

9. Wurden Bismarcktürme auch zur Datenübermittlung errichtet?
Dies war nie Ziel bei der Errichtung eines Bismarckturmes (soweit mir bekannt). In Kriegszeiten wurden wahrscheinlich einige Türme auch als Telegraphenstationen genutzt.

10. Werden die Türme heute noch befeuert?
Die Türme werden grundsätzlich nicht mehr befeuert, da Baumschutzsatzungen, Naturschutzgesetze sowie weitere Gesetze und Verordnungen diese Nutzung verhindern. Manchmal liegen die Türme auch in Einflugschneisen von Linienmaschinen (z.B. Bad Pyrmont). Sinn und Zweck einer Befeuerung zu Ehren von Bismarck wäre heute wohl sehr in Frage zu stellen. Vereinzelt kommt es zu Befeuerungen bei Bismarckturmfesten oder Turmgeburtstagen, z.B. 1990 in Iserlohn oder 2000 in Markneukirchen (Feuerwerk auf dem Turm). In Lützschena-Stahmeln (bei Leipzig) wird der Bismarckturm seit 1997 einmal jährlich zur Sommersonnenwende befeuert.

11. Ich kenne noch weitere Bismarcktürme, die ich auf den Webseiten nicht finde.
Dazu gibt es mehrere Antworten:

  • In vielen Städten (Auflistung siehe bei Kloss/Seele: "Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen", Michael Imhof Verlag Petersberg 1997) war der Bau von Bismarcktürmen geplant. Die Planungen konnten aus unterschiedlichen Gründen nicht ausgeführt werden. Von einigen dieser Türme existieren Ansichtskarten, die einen Bismarckturm bzw. -entwurf zeigen (z.B. Fürstenwalde, Nürnberg, Jever, Uerdingen, Liegnitz, Marienwerder usw.). Diese Türme wurden jedoch - meist aus Kostengründen - nicht errichtet. Teilweise wurden kostengünstigere Alternativen (Bismarck-Denkmäler) verwirklicht.
  • In einigen Städten wurden Türme auf Karten oder im Volksmund fälschlicherweise als Bismarcktürme bezeichnet (z.B. Bad Nauheim, Goslar usw.), die aber nachweislich nie Bismarcktürme waren.
  • Einige turmähnliche Gebilde und/oder Denkmäler erfüllen die Voraussetzungen eines Bismarckturmes (nach Definition von Kloss/Seele) nicht, z.B. die "Bismarck-Säule" in Bad Harzburg, Feldberg/Schwarzwald und Meißen/Sachsen. Diese Bauwerke werden zwar auch "Bismarck-Säulen" genannt, ihnen fehlt aber die Eigenschaft einer Feuersäule und/oder des begehbaren Turmes. Es handelt sich um Säulen mit reinem Denkmalscharakter.
    Es gibt auch Türme, wie z.B. die Bismarcksäule in Stonsdorf / Polen (eigentlich Bismarck-Denkmal, da kein begehbarer Turm und keine Feuerschale), die wegen ihres turmartigen Baues und der Ähnlichkeit zu den Bismarcksäulen mit in den Katalog der Bismarcktürme aufgenommen wurden.
  • Sollte es in einem Ort noch einen weiteren, unentdeckten Bismarckturm geben, würde ich mich über Rückmeldungen freuen [info(at)bismarcktuerme.de].

12. Warum sind manche Bismarcktürme nicht nach dem Ort benannt, in dem diese tatsächlich stehen?

Tatsächlich gibt es einige Bismarcktürme (z.B. Bismarckturm Reichenbach/Polen, Bismarckturm Friedrichsruh/Schleswig-Holstein, Bismarckturm Halle / Sachsen-Anhalt), die abseits der Städte, teilweise im Nachbarort stehen. Für die Beibehaltung der ursprünglichen Ortsbezeichnung gibt es mehrere Erklärungen:

  • Zunächst ein erläuterndes Zitat aus dem unveröffentlichten Manuskript "Bismarck-Feuersäulen und -Türme" von Valentin von Bismarck (1915 und 1937):
    "Zuweilen macht ferner der Umstand Schwierigkeiten, daß die Bauten weitab von einer größeren Stadt stehen, so daß man im Zweifel sein kann, ob man sie nach der Stadt oder nach dem Berge benennen soll. Am treffendsten und vor allem auch wohl am gerechtesten wird in den meisten Fällen die Benennung nach dem Orte sein, der die Bismarcksäule oder Bismarckturm erbaut hat."
  • Bismarcktürme wurden meistens an Aussichtspunkten errichtet. Gab es keinen geeigneten Standort im eigenen Ort, wurde der Bismarckturm abseits der Stadt , ggf. in einem Nachbarort mit entsprechendem Aussichtspunkt gebaut, behielt aber seinen Namen.
  • Die Bismarcksäule in Friedrichsruh (Standort: Reinbek-Silk) wurde im Auftrage des Ausschusses der Deutschen Studentenschaft zur Errichtung von Bismarcksäulen gebaut und finanziert. Der Baugrund wurde von Herbert von Bismarck kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine Verwechslung mit dem 1901 erbauten Bismarckturm in Aumühle-Hofriede sollte zudem ausgeschlossen werden.

Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)

Der 1. Bismarckturm (1869 eingeweiht) in Ober-Johnsdorf
Die klassische Bismarcksäule - Entwurf Götterdämmerung von Wilhelm Kreis
Der höchste bestehende BT in Glauchau - Höhe 45 m)
Der jüngste Bismarckturm in Delecke / NRW aus dem Jahre 1934re 1933
abgerissener Bismarckturm in Porta-Westfalica / NRW
Jubiläums-Broschüre Bismarckturm Unna in Fröndenberg 2000